News • 16.06.2026

Dirk Gladiator ist im Ruhestand

Mit Bauplan und gutem Bauchgefühl

Erfindergeist und Ingenieurwissen braucht es nicht nur im Maschinen- und Anlagenbau, sondern bei der Entwicklung von IT-Plattformen und Cargo Community Systemen. Beides verkörpert Dirk Gladiator, DAKOSY-Prokurist und Abteilungsleiter Port Communication Services (PCS). Nach fast 40 Jahren Betriebszugehörigkeit verabschiedete er sich zum 1. April dieses Jahres in den Ruhestand.

IMP, EMP, GEGIS, FAIR@Link, PRISE und German Ports – diese Begriffe gehören in der Speditionswelt längst zum Fachvokabular. Hinter den Namen stehen wichtige Plattformen und Cargo Community Systeme für Häfen und Flughäfen. Mitgeprägt hat sie Dirk Gladiator. Von Haus aus ist er Wirtschaftsingenieur. Schon seit den 80ern wendet er sein Ingenieurwissen auf die Informationsflüsse in der Logistik an, um diese zu digitalisieren. 

1985 startet Gladiator als Werksstudent als achter von heute 220 Mitarbeitenden bei DAKOSY. Nach seinem Studium baut er das Gefahrgut-Informationssystem GEGIS auf, das DAKOSY bis heute im Auftrag der Stadt Hamburg betreibt. Dafür gab es einen ernsten Auslöser: einen Schuppenbrand mit Gefahrgütern im Hamburger Hafen. Die Dokumentation lag in einem Zettelkasten. Es kommt zu Abweichungen zwischen der Papierlage und den vorhandenen Waren. „Zum Glück waren mehr Gefahrgüter dokumentiert als im Schuppen eingelagert“, berichtet Gladiator. Die Lernkurve war die Geburtsstunde von GEGIS, zunächst als ISETEC-Forschungsprojekt, bevor es 1990 in den Regelbetrieb überführt wurde.

2002 wechselt Gladiator zur DB-Systems, dem IT-Dienstleister der Deutschen Bahn, kehrt jedoch 2004 nach gut zwei Jahren zu DAKOSY zurück. Die visionäre und gleichzeitig konzeptionelle Arbeit an IT-Plattformen zieht sich weiter wie ein roter Faden durch seine Laufbahn. Gladiator übernimmt die Abteilung PCS und ist maßgeblich für die Ausgestaltung und Inbetriebnahme der Import- und Export Management Plattformen für den Hamburger Hafen verantwortlich. Auch PRISE (Port River Information System Elbe), eine digitale Plattform im Hamburger Hafen zur Optimierung des Schiffsverkehrs, hebt er mit aus der Taufe. 

Ab 2010 zieht es den gebürtigen Hamburger verstärkt von der Hansestadt an das größte Luftfracht-Drehkreuz Europas. Es geht darum, am Flughafen Frankfurt mit der dortigen Community ein Air Cargo Community System nach dem Vorbild des Systems im Hamburger Hafen aufzubauen. Gut erinnert er sich an den Satz „In Frankfurt fallen die Lkw vom Himmel“ – eine zum damaligen Zeitpunkt am Flughafen geflügelte Wendung. „Es gab keine vorauseilenden Informationen für das Frachthandling, sehr zu unserem Erstaunen. Damit war die Idee geboren, ein Cargo Community System aufzubauen, das heute unter dem Namen FAIR@Link bekannt ist,“ berichtet Gladiator und schmunzelt, „für den Change-Prozess habe ich fünf Jahre veranschlagt, nachher waren es über zehn Jahre“. Doch gerade mit seinem Optimismus, seinem Durchhaltevermögen und seiner Überzeugungskraft nimmt er alle Beteiligten mit und ruht nicht, bevor er alle an Bord weiß. 

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. 2024 gründen DAKOSY und Fraport das Joint Venture allivate, um FAIR@Link zukunftssicher zu machen und die Plattform gemeinsam mit der Community strategisch weiterentwickeln zu können. Gladiator wird einer der beiden Geschäftsführer. 

Bis zum Schluss pendelt er zwischen Frankfurt und Hamburg. Gerade sein letztes großes Projekt führt ihn vermehrt in die Hafenlandschaft. Unter dem Namen German Ports initiiert er die Einführung der hafenübergreifenden digitalisierten Freistellung. Unvergesslich bleibt für ihn der Moment, als sich die Wettbewerber in den Seehäfen erstmals an einen Tisch setzen, um einen einheitlichen standardisierten Ablauf zu definieren, der gleichermaßen für Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven gilt und so dem Drogenschmuggel wirksam entgegenwirkt.

Parallel zu seinen beruflichen Aktivitäten engagiert sich Gladiator seit 2023 als Schöffe – ein Ehrenamt, das ihn in den Ruhestand begleitet. Auch im Vorstand der Nordkirche ist er aktiv. Weitere Aktivitäten sollen nun hinzukommen, für die bisher wenig Zeit blieb. Seiner Tochter hat er zugesagt, in diesem Jahr beim 10-km-Alsterlauf dabei zu sein. Und in seinem Gemüsekarten hat er bereits die diesjährige Erntezeit im Blick. „Vor zwei Jahren habe ich Spargel gepflanzt, der darf in diesem Jahr zum ersten Mal gestochen werden.“ Und statt im Flieger wöchentlich nach Frankfurt zu pendeln, nimmt er mit Frau und Wohnwagen für mehrere Wochen Kurs auf das Nordkap. 

Verabschiedung mit Kolleg:innen und Weggefährt:innen auf dem Feuerschiff im City-Sportboothafen (von links: Ronny Anten, Malte Kantak, Dirk Gladiator, Simon Lembke, Ulli Wrage)

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